Ich durfte …

“Warum muss(te) ich das erleben?” werde ich oft gefragt. Und darauf kann ich den Eltern keine Antwort geben. Wenn es mir möglich ist, dann versuche ich die Mama zu berühren, mit ihr körperlichen Kontakt aufzunehmen. Und wenn mich die Mama dann hilfesuchend anschaut, sage ich gerade heraus: “Ich weiß es nicht”.

„Doch du kannst mal versuchen, aus dem ‚Müssen‘ in deiner Geschichte ein ‚Dürfen‘ zu machen. Versuch es einfach mal. Auch in deinen Gedanken, dieses Wort zu ersetzen und schau, was mit dir und deiner Geschichte nach einiger Zeit passiert. Und nicht nur mit deiner Geschichte, sondern auch mit deinem Körper und deinen Gedanken.” sag ich in die darauffolgende Stille. Oft folgt ein irritierender Blick mit der Frage: “WAS, ich soll sagen, ich durfte mein Kind tot auf die Welt bringen?” “Ja, versuch es einfach mal. An der Situation an sich, wird sich dadurch nichts ändern, doch an der Sichtweise und an deinen Gefühlen. Denn auch, wenn eine Stille Geburt sehr traurig und schmerzhaft ist, ist sie auch etwas sehr Schönes, denn wir Mütter erleben das gemeinsam mit unserem Kind. Das ist eins der wenigen Erlebnisse, die wir mit unserem Kind teilen, wo wir es (noch) spüren, das UNS spüren. Und das durftest du. Dich und dein Kind spüren”, besänftige ich. „Hm, ja das stimmt. Da hatte ich Glück, das mir das möglich war und ich bin sehr froh, dass ich das mit meinem Kind erleben hab dürfen“, kommt oft als Antwort.

Und ich, ich sitze dann grinsend da und sag: „Hast du gehört, was du gesagt hast? … dürfen“. „Stimmt, und das hat sich gut angefühlt und ich werde es einfach mal versuchen, das Müssen durch ein Dürfen zu ersetzen“.

… denn du bist nicht allein. Wir sind viele.

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